Vom Feld auf den Teller: Wenn Bio-Gemüse und soziale Arbeit zusammenfinden
Ein Besuch bei der Dünner Bio AG im Kemmental zeigt, wie aus regionaler Landwirtschaft, engagierter Handarbeit und sozialer Zusammenarbeit etwas Besonderes entstehen kann.
Am 5. August 2026 machte sich eine Gruppe des Ekkharthofs auf den Weg ins Kemmental. Ziel war die Dünner Bio AG – ein Betrieb, mit dem den Ekkharthof seit einigen Monaten eine besondere Zusammenarbeit verbindet. Mehrere Tonnen Knoblauch werden dort geerntet, bevor sie am Ekkharthof sorgfältig aufbereitet, sortiert und für den Schweizer Detailhandel vorbereitet werden.
Für die Besucherinnen und Besucher war der Ausflug deshalb weit mehr als eine Betriebsbesichtigung. Es war die Gelegenheit, einmal selbst zu sehen, wo der Knoblauch wächst, den sie später mit viel Sorgfalt bearbeiten – und die Menschen kennenzulernen, die hinter diesem beeindruckenden Landwirtschaftsbetrieb stehen.
82 Hektaren Bio-Landwirtschaft
Gegen 9 Uhr traf die Gruppe im Kemmental ein und wurde von Urs Dünner persönlich begrüsst. Gleich zu Beginn ging es in das beeindruckende Kühllager. Bis zu 3000 Kühlkisten können dort gelagert werden. Während der Führung erzählte Urs Dünner von der Geschichte seines Betriebes, der heute mehr als 82 Hektaren Land bewirtschaftet.
Angebaut werden zahlreiche verschiedene Gemüsearten – darunter Rüebli, Kartoffeln, Zwiebeln, Randen und Chabis. Die Kulturen sind in Sommer- und Winterkulturen aufgeteilt. Der gesamte Betrieb arbeitet nach den strengen Richtlinien der Bio-Suisse.
Der eigentliche Aufbau zum heutigen Grossbetrieb begann 2016. Seither hat sich vieles entwickelt. Geblieben ist jedoch die Nähe zum Boden und zur Landwirtschaft – und die Erkenntnis, dass trotz moderner Technik vieles nicht ohne Menschen funktioniert.
Eine Herausforderung namens Sommer
Natürlich beschäftigte die Gruppe auch eine Frage, die in diesem Sommer besonders nahe liegt: Wie geht ein Landwirtschaftsbetrieb mit Hitze und Trockenheit um?
Die Antwort ist eindrücklich. Die Felder müssen täglich mit Wasser aus dem Bodensee bewässert werden. Ohne diese Bewässerung würde die Ernte unter den aktuellen Bedingungen stark leiden. Das Wetter stellt die Landwirtschaft vor grosse Herausforderungen – und macht gleichzeitig sichtbar, wie wertvoll Lebensmittel und die Arbeit sind, die hinter ihnen steckt.
Der Weg des Ekkharthof-Knoblauchs
Besonders gespannt war die Gruppe auf die Antwort auf eine andere Frage: Wo landet eigentlich der Knoblauch, den die Mitarbeitenden am Ekkharthof aufbereiten?
Ein wichtiger Abnehmer ist die Rathgeb BioLog AG. Von dort gelangt das Gemüse unter anderem in den Schweizer Detailhandel und damit beispielsweise zu Coop und Migros.
Doch bevor der Knoblauch im Verkaufsregal landet, ist Handarbeit gefragt. Die geernteten Knollen müssen geschält, kontrolliert und aussortiert werden. Eine Aufgabe, die sich nicht einfach durch eine Maschine ersetzen lässt. Genau hier kommt der Ekkharthof ins Spiel.
Mit ihren wachsamen Augen und ihrer sorgfältigen Arbeitsweise übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen wichtigen Teil dieser Arbeit. Für die Dünner Bio AG ist diese Unterstützung gerade während der intensiven Erntezeit wertvoll. Denn dann zählt jede helfende Hand. Während der Saison arbeiten die Mitarbeitenden des Landwirtschaftsbetriebs mindestens 55 Stunden pro Woche.
So entsteht eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren: Die Dünner Bio AG erhält Unterstützung genau dort, wo sie gebraucht wird. Und die Menschen am Ekkharthof erhalten eine sinnstiftende, reale Arbeit, bei der sie Teil einer regionalen Wertschöpfungskette sind.
Vom Versuch zum Erfolg
Dass auf den Feldern der Dünner Bio AG heute mehrere Tonnen Schweizer Bio-Knoblauch wachsen, ist übrigens keineswegs selbstverständlich.
Vor rund 15 Jahren begann Urs Dünner mit den ersten Knobli-Zinken. Damals hiess es, Knoblauch könne aus klimatischen Gründen in der Schweiz nicht angebaut werden. Urs Dünner wollte es trotzdem versuchen. Mit Erfolg. Heute werden mehrere Tonnen Knoblauch pro Jahr in Knospe-Qualität produziert. Das Setzen der kleinen Zinken sei zwar relativ heikel, erzählt Urs Dünner. Danach sei der Knoblauch aber erstaunlich pflegeleicht. Das Trocknen ist dann wieder eine grössere Herausforderung.
Eine Geschichte, die zeigt, was entstehen kann, wenn jemand den Mut hat, eine vermeintliche Grenze einfach auszuprobieren.
Plötzlich sind da Wassermelonen
Während der Führung gibt es immer wieder Überraschungen. Eine davon sorgt für besonders grosse Augen. Plötzlich ertönen aus einem Lautsprecher Vogelgeräusche. Die Gruppe schaut sich irritiert an. Was hat es damit auf sich?
Die Erklärung ist ebenso simpel wie originell: Die Geräusche sollen Vögel davon abhalten, die Früchte im Gewächshaus anzuknabbern.
Und dann die nächste Überraschung: Wassermelonen.
Ein ganzes Gewächshaus voller Thurgauer Wassermelonen steht vor der Gruppe. Damit hatte wohl niemand gerechnet. Nicht nur bestaunen dürfen die Besucherinnen und Besucher die Früchte – jede und jeder bekommt zum Abschluss sogar eine Wassermelone geschenkt.
Daneben erstreckt sich ein riesiges Chabisfeld. Auch dazu weiss Urs Dünner viel zu erzählen. Die Gespräche führen schliesslich zu einem Thema, das Landwirtschaft und Konsumentinnen und Konsumenten gleichermassen betrifft: Food Waste.
Was passiert mit Gemüse, das nicht der gewünschten Norm entspricht? Wie kann verhindert werden, dass Lebensmittel unnötig weggeworfen werden? Und wie können Landwirtschaft, Handel und Konsumenten dazu beitragen, dass möglichst viel von dem, was angebaut wird, tatsächlich auf unseren Tellern landet?
«Für mich stehen die Menschen an erster Stelle»
Zum Abschluss der Führung kehrt die Gruppe in die Kühllagerhalle zurück. Dort wird Urs Dünner gefragt, was er sich für die Zukunft wünscht.
Seine Antwort ist persönlich und bleibt bei den Besucherinnen und Besuchern hängen.
Für ihn stehen an erster Stelle die Menschen: seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie sein Sohn Roman, der den Betrieb weiterführen wird. Sein grösster Wunsch sei, dass es allen gut gehe und sie gesund bleiben.
Und dann formuliert er einen weiteren Wunsch: Dass es auch in Zukunft für alle Menschen in der Schweiz finanziell möglich ist, sich gesunde Bio-Lebensmittel leisten zu können.
Es sind einfache, aber gleichzeitig grosse Wünsche. Und sie passen zu einem Tag, an dem deutlich wurde, dass hinter jedem Lebensmittel Menschen stehen – Menschen, die säen, pflegen, ernten, sortieren, verpacken und dafür sorgen, dass die Produkte schliesslich bei uns auf dem Teller landen.
Mit einer Wassermelone im Gepäck zurück zum Ekkharthof
Nach diesen wunderbaren Zukunftswünschen verabschiedet sich die Gruppe von Urs Dünner und seinem Team und macht sich auf den Rückweg zum Ekkharthof.
Im Gepäck: viele neue Eindrücke, spannende Geschichten – und natürlich eine Thurgauer Wassermelone.
Die Vorfreude ist gross. Und die Erwartungen werden nicht enttäuscht: Die Wassermelone schmeckt unglaublich gut.
Was bleibt, ist mehr als ein schöner Ausflug. Es bleibt die Erkenntnis, wie wertvoll eine Zusammenarbeit sein kann, wenn unterschiedliche Welten zusammenfinden. Hier die professionelle Bio-Landwirtschaft, dort der Ekkharthof mit seinen Werkstätten und den Menschen, die mit grosser Sorgfalt und Freude eine wichtige Arbeit übernehmen.
Eine fruchtbare Zusammenarbeit im wahrsten Sinne des Wortes – und eine, auf die der Ekkharthof mit gutem Grund stolz ist.